Prošek vs Prosecco: zwei Weine, zwei Kulturen und ein großes Missverständnis
Wenn Sie in Kroatien jemals den Satz gehört haben: „Ach, Prošek – das ist doch so etwas wie Prosecco?“, dann sind Sie nicht allein. Dieses Missverständnis besteht seit Jahren, ist jedoch in jüngerer Zeit deutlich lauter und sichtbarer geworden, vor allem aufgrund politischer und rechtlicher Auseinandersetzungen innerhalb der Europäischen Union. Obwohl es oft als eine Kleinigkeit oder als sprachlicher Zufall wahrgenommen wird, handelt es sich in Wirklichkeit um ein deutlich tiefergehendes Problem, das Tradition, Geschichte, Weinkultur und Identität umfasst.
Im Kern ist das Problem einfach: Die Namen klingen ähnlich, doch die Weine selbst haben nahezu nichts gemeinsam. Sie unterscheiden sich im Stil, in den Produktionsmethoden, in ihrer historischen Entwicklung sowie in der Art des Konsums. Genau deshalb lohnt es sich, klar und systematisch zu erklären, was Prošek ist und was Prosecco ist, welche Weine tatsächlich mit Prošek vergleichbar sind, wann jede der Bezeichnungen erstmals in historischen Quellen erscheint, wie Prošek traditionell hergestellt wird – insbesondere aus der Rebsorte Maraština –, warum es zu einem Streit zwischen Kroatien und Italien vor der Europäischen Union kam, wie Touristen häufig in die Irre geführt werden und weshalb „Prošek“ aus Slawonien manchmal nur wenig mit dalmatinischem Prošek zu tun hat.
Prošek und Prosecco sind nicht dasselbe – und waren es nie
Prošek ist ein süßer Dessertwein aus Dalmatien, der aus getrockneten Trauben hergestellt wird. Es handelt sich um einen Wein, der traditionell in sehr kleinen Mengen produziert wird, häufig innerhalb von Familienbetrieben, ohne industriellen Ansatz und ohne Massenproduktion. Prošek wird langsam getrunken, in kleinen Gläsern, meist am Ende einer Mahlzeit oder zu besonderen Anlässen. Zu seinen wesentlichen Merkmalen zählen das vollständige Fehlen von Kohlensäure, ein hoher natürlicher Alkoholgehalt, der sich häufig zwischen 15 und 18 Prozent bewegt, eine ausgeprägte Dichte, natürliche Süße sowie oxidative Noten, die aus der Art der Herstellung und der Reifung resultieren. Dies ist kein Wein für den Aperitif, sondern vielmehr für den Abschluss einer Mahlzeit und für einen langsamen, bewussten Genuss.
Prosecco hingegen hat mit diesem Stil nahezu nichts gemeinsam. Es handelt sich um einen Schaumwein aus Norditalien, der überwiegend aus der Rebsorte Glera hergestellt wird und mittels Zweitgärung im Tank produziert wird, der sogenannten Charmat-Methode. Prosecco ist ein leichter, frischer Wein, meist trocken oder halbtrocken, mit einem niedrigeren Alkoholgehalt von etwa 11 Prozent. Er wird in großen Mengen erzeugt und als Aperitif oder als Basis für Cocktails konsumiert. Seine Rolle ist gesellig, leicht und informell, während Prošek konzentriert, dicht und kontemplativ ist. Das einzige verbindende Element zwischen diesen beiden Weinen ist die phonetische Ähnlichkeit ihrer Namen.
Welche Weine sind Prošek tatsächlich ähnlich?
Wenn man nach Weinen sucht, die technologisch und stilistisch mit Prošek vergleichbar sind, kommen Schaumweine wie Prosecco überhaupt nicht in Frage. Prošek gehört zur Welt der Dessertweine, die aus getrockneten oder extrem reifen Trauben hergestellt werden. In diesem Zusammenhang steht er Weinen wie dem portugiesischen Portwein, dem spanischen Sherry, dem italienischen Vin Santo, verschiedenen Passito-Stilen oder der zypriotischen Commandaria deutlich näher. Allen diesen Weinen gemeinsam ist die Verwendung überreifer oder getrockneter Trauben, eine hohe Konzentration natürlicher Zucker sowie die Tatsache, dass sie langsam und in kleinen Mengen getrunken werden. Wenn überhaupt ein Vergleich gezogen werden muss, dann ist Prošek – sowohl in seiner Philosophie als auch in seinem Stil – Portwein wesentlich näher als Prosecco.
Erste historische Erwähnungen: welcher Wein ist älter?
Der Name Prosecco wurde erstmals im Jahr 1593 dokumentiert und leitet sich vom Dorf Prosecco in der Nähe von Triest ab. Zu jener Zeit war der unter diesem Namen erwähnte Wein kein Schaumwein. Der schäumende Stil des Prosecco, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich erst gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, parallel zur Entwicklung industrieller Methoden der Schaumweinherstellung.
Im Fall von Prošek stellt sich die Situation grundlegend anders dar. Die Praxis der Herstellung süßer Weine aus getrockneten Trauben in Dalmatien ist deutlich älter, doch der Name „Prošek“ selbst erscheint in den frühesten schriftlichen Quellen seltener. Eine zentrale historische Quelle findet sich im Werk von Petar Hektorović „Ribanje i ribarsko prigovaranje“ aus dem Jahr 1566, in dem ein süßer Wein erwähnt wird, der für Backwaren und festliche Anlässe verwendet wurde. Obwohl der heutige Begriff „Prošek“ dort nicht verwendet wird, weist die Beschreibung eindeutig auf einen dalmatinischen Dessertwein aus überreifen oder getrockneten Trauben hin. Später, im Jahr 1774, beschreibt Alberto Fortis dalmatinische Süßweine in seinem Werk „Viaggio in Dalmazia“, und im 19. Jahrhundert gelangt der Name Prošek in eine breitere und formellere Verwendung. Aus all dem ergibt sich, dass die Herstellung von Prošek selbst älter oder zumindest ebenso alt ist wie die erste dokumentierte Erwähnung von Prosecco, auch wenn der Name Prošek erst später formalisiert wurde.
Wie Prošek traditionell hergestellt wird (am Beispiel der Maraština)
Eine der klassischen und historisch bedeutenden Rebsorten für die Herstellung von Prošek ist Maraština, eine autochthone dalmatinische Rebsorte. Der traditionelle Prozess beginnt mit einer späten Lese, wenn die Trauben besonders reif sind. Nach der Ernte werden die Trauben in der Sonne oder in gut belüfteten Räumen getrocknet, manchmal über mehrere Tage, manchmal über mehrere Wochen, wodurch Zucker und Aromen konzentriert werden. Anschließend erfolgt das Pressen der getrockneten Beeren sowie eine langsame Gärung, häufig unter Einsatz natürlicher Hefen. Nach der Gärung ruht der Wein über einen langen Zeitraum, in dem er komplexe Aromen und Struktur entwickelt. Das Ergebnis sind stark konzentrierte Zucker, natürliche Süße ohne Zuckerzusatz sowie komplexe Aromen von Honig, Trockenfrüchten und Feigen. Weitere Informationen zur Rebsorte Maraština und zur dalmatinischen Weintradition finden sich auf der Seite OPG Branko Marinov – Maraština.
Kroatien vs. Italien: der Streit vor der EU
Der Streit zwischen Kroatien und Italien entstand nicht wegen des Weines selbst, sondern ausschließlich wegen des Namens. Im Jahr 2009 ließ Italien den Namen Prosecco als geografische Angabe im Rahmen des DOC- und DOCG-Systems schützen. Kroatien trat der Europäischen Union im Jahr 2013 bei, zu einem Zeitpunkt, als der Name Prošek noch nicht formell geschützt war. Der Wendepunkt kam im Jahr 2021, als Kroatien den Schutz des Namens Prošek als traditionellen Begriff beantragte, nicht als geografische Angabe und nicht als Schaumwein. Die italienische Seite argumentierte, dass Verbraucher dadurch verwirrt werden könnten. Die Europäische Kommission kam letztlich zu dem Schluss, dass die bloße Namensähnlichkeit nicht ausreicht, dass sich die Produkte in Stil, Farbe, Alkoholgehalt und Zweck unterscheiden und dass der Name Prošek als traditionelle Bezeichnung verwendet werden darf. Prošek hat Prosecco nicht „besiegt“, sondern wurde vielmehr vor dem Verschwinden geschützt.
Touristen, Verwirrung und häufige Täuschungen
In der Praxis bestellen Touristen in Kroatien häufig Prošek in der Erwartung eines Schaumweins oder kaufen ein Produkt, das mit echtem Prošek nichts zu tun hat. Besonders problematisch wird es, wenn „Prošek“ zu einem Preis von 10 bis 20 Euro pro Liter verkauft wird, in großen Mengen verfügbar ist und leicht, dünn und wenig komplex wirkt. In solchen Fällen ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich nicht um echten Prošek handelt, sondern um einen Wein mit zugesetztem Zucker oder um eine Marketingbezeichnung ohne traditionelle Herstellungsmethode. Authentischer Prošek wird in kleinen Mengen produziert, hat einen deutlich höheren Preis pro Liter und wird in kleinen Gläsern getrunken, langsam und mit Respekt vor der Zeit und der Arbeit, die in seine Herstellung investiert wurden.
Und was ist mit „Prošek“ aus Slawonien?
In Slawonien werden unter dem Namen „Prošek“ mitunter Weine aus Eisweinlesen oder süße Weine aus Spätlesen verkauft. Obwohl es sich dabei oft um hochwertige und geschätzte Weine handelt, sind sie kein dalmatinischer Prošek und gehören zu einer technologisch und traditionell anderen Kategorie. Korrekt ist es, sie als Eiswein oder Prädikatswein zu bezeichnen und nicht als Prošek im ursprünglichen dalmatinischen Sinne.
Fazit
Prošek und Prosecco verbindet lediglich die Ähnlichkeit in der Aussprache. Alles andere – Geschichte, Technologie, Kultur und Zweck – ist vollständig unterschiedlich. Die Unterscheidung dieser Weine ist keine Frage des Nationalismus, sondern grundlegender Weinkenntnis.
Häufig gestellte Fragen – Prošek vs Prosecco
Ist Prošek dasselbe wie Prosecco?
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Nein. Prošek ist ein süßer Dessertwein ohne Kohlensäure, während Prosecco ein Schaumwein aus Italien ist.
Warum werden diese beiden Weine so oft verwechselt?
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Wegen der ähnlichen Namen, obwohl sie historisch, technologisch und stilistisch nahezu nichts gemeinsam haben.
Welche Weine sind Prošek ähnlicher?
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Portwein, Sherry, Vin Santo sowie Passito-Stile – alles Weine aus getrockneten oder überreifen Trauben.
Ist Prošek in der EU geschützt?
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Ja. Prošek ist in der Europäischen Union als traditionelle Bezeichnung geschützt.
