Schnaps in der Hausmedizin: traditionelle Anwendung
Schnaps ist nicht nur ein hochprozentiges Getränk für einen Toast – in der traditionellen Volksmedizin hatte er einen nahezu mythischen Status als universelles Hausmittel. Unsere Großeltern bewahrten stets eine Flasche selbstgemachten Schnapses griffbereit auf, als festen Bestandteil der Hausapotheke. Von Erkältungen bis hin zu Verdauungsbeschwerden wurde Schnaps über Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte hinweg, zur Linderung alltäglicher gesundheitlicher Probleme eingesetzt. Dabei ging es stets um mäßige Mengen und sehr häufig um äußerliche Anwendungen. Gerade diese Vielseitigkeit macht Schnaps zu einem wichtigen Teil unseres kulturellen Erbes.
In Zeiten, in denen Apotheken weit entfernt waren und ein Arztbesuch selten möglich war, verließen sich die Menschen auf das, was sie zu Hause hatten. Schnaps war immer zur Hand – im Küchenschrank, im Keller oder in der Speisekammer – und wurde für alles verwendet: von der Desinfektion kleiner Wunden bis hin zum Erwärmen des Körpers in kalten Winternächten.
Schnaps als Volksheilmittel
In vielen Haushalten gab es den Spruch: „Ein kleines Gläschen – dann geht es dir besser.“ Heute mag das scherzhaft klingen, doch dahinter steckt die Erfahrung vieler Generationen und ein tief verwurzelter Glaube an die Kraft von selbstgemachtem Schnaps. Die traditionelle Volksmedizin ging davon aus, dass es bei Magenschmerzen, Erkältungen, Grippe und ähnlichen Beschwerden kein besseres Mittel als Schnaps gebe. Ein kleines Glas hochwertigen Haus-Schnapses sollte angeblich „Bakterien und Viren abtöten“.
Deshalb wurde Schnaps bereits bei den ersten Krankheitsanzeichen empfohlen – entweder als kurzer Schluck zur „Desinfektion des Rachens“ oder in Form eines warmen Getränks wie erwärmtem Schnaps. Man glaubte, Schnaps „bringe das Blut in Bewegung“, wärme den Körper und helfe dem Organismus, die Krankheit selbst zu bekämpfen.
Ältere Generationen sagen bis heute, dass Schnaps von innen und außen wärmt. Neben dem maßvollen Trinken wurde Schnaps sehr häufig äußerlich angewendet. Das Einreiben der Haut mit Schnaps sollte die Durchblutung fördern und Muskelschmerzen lindern. Wenn kein Desinfektionsmittel vorhanden war, wurde Schnaps zur Wundreinigung verwendet, und bei Zahnschmerzen konnte starker Traubenschnaps den Schmerz kurzfristig betäuben.
Aus all diesen Gründen galt Schnaps als erstes Hausmittel – als natürliches Desinfektionsmittel, Schmerzstiller und Wärmespender.
Heute wissen wir, dass übermäßiger Alkoholkonsum schädlich ist. Dennoch wird ein maßvoller Genuss – ein kleines Glas – in einigen Studien mit positiven Effekten auf die Durchblutung in Verbindung gebracht. Das entscheidende Wort bleibt Mäßigung. In der traditionellen Anwendung war Schnaps nur in kleinen Mengen ein Hausmittel – alles darüber hinaus kehrt mögliche Vorteile ins Gegenteil um.
Ein wärmendes Hausmittel bei Erkältung und Grippe
Bei Erkältung oder Grippe greifen wir heute oft zu Honig, Zitrone und Kräutertees. Unsere Vorfahren fügten fast immer eines hinzu – Schnaps. Schnaps hatte dabei eine doppelte Funktion: innerlich wärmte er den Körper und förderte das Schwitzen, äußerlich wurde er zur Fiebersenkung eingesetzt.
Eines der bekanntesten Hausmittel war erwärmter Schnaps, vorsichtig mit Zucker erhitzt, manchmal mit einer Prise Pfeffer. Er wurde warm getrunken, meist abends vor dem Schlafengehen. Man sagte, er „schwitzt die Krankheit aus“ und wärmt die Knochen in kalten Winternächten.
Schnaps war auch Bestandteil hausgemachter Mittel gegen Husten. Ein Löffel Honig mit etwas Schnaps und ein paar Tropfen Propolis wurde bei Halsschmerzen verwendet. Warmer Kräutertee mit einem Teelöffel Schnaps galt als klassisches „Oma-Hausmittel“ gegen Halsentzündungen.
Der Volksglaube besagte zudem, dass Schnaps Mund und Rachen desinfiziert, weshalb er auch zum Spülen bei Zahnschmerzen oder Zahnfleischentzündungen genutzt wurde.
Eine weitere verbreitete Anwendung war der Einsatz von Schnaps zur Senkung von Fieber. Alkohol kühlt die Haut durch Verdunstung, daher wurden häufig Schnapsumschläge gemacht. Mit Schnaps getränkte Tücher oder Socken wurden um die Beine gelegt, um überschüssige Wärme aus dem Körper zu ziehen.
Ähnlich wurde der Körper mit Schnaps eingerieben – manchmal verdünnt mit warmem Wasser oder Öl. Der Geruch war gewöhnungsbedürftig, doch die Wirkung galt als bewährt.
Massagen und Umschläge mit Schnaps
Die äußerliche Anwendung von Schnaps wurde oft sogar höher geschätzt als das Trinken. Bei Muskel- und Gelenkschmerzen, insbesondere bei rheumatischen Beschwerden, diente Schnaps als natürliches Massagehilfsmittel. Das Einreiben der schmerzenden Stellen regte die Durchblutung an und erzeugte ein wohliges Wärmegefühl.
Ältere Menschen sagten häufig, nichts wärme schmerzende Gelenke so gut wie selbstgemachter Schnaps, der in Knie oder unteren Rücken einmassiert wird. Bei Rückenschmerzen wurde besonders Kräuterschnaps (Travarica) geschätzt, teils mit Wermut angereichert.
Schnaps kam auch bei Umschlägen zum Einsatz: bei Halsschmerzen als warmer Wickel um den Hals, bei Kopfschmerzen durch Einreiben der Schläfen oder als Stirnauflage. Bei Ohrenschmerzen wurden vereinzelt ein paar Tropfen sehr starken Schnapses als desinfizierendes, kurzfristig schmerzlinderndes Mittel verwendet.
Darüber hinaus war Schnaps unverzichtbar zur Desinfektion kleiner Schnitte und Insektenstiche. Das Brennen galt als Zeichen, dass es „wirkt“. In Kombination mit Honig, Knoblauch und Olivenöl bildete Schnaps die Grundlage jeder Haus-Ersten-Hilfe.
Schnaps als Digestif
Eine der bekanntesten Rollen von Schnaps war die des Digestifs. Nach einem üppigen Essen bot der Gastgeber fast immer „ein kleines Gläschen für den Magen“ an. Ein kleiner Schluck sollte den Magen wärmen und die Verdauung schwerer Speisen unterstützen.
Wenn jemand etwas Verdorbenes oder Schwerverdauliches gegessen hatte, sollte ein Schluck Schnaps die „Keime im Magen abtöten“. Besonders geschätzt wurde Pflaumenschnaps, der als kräftig, aber magenfreundlich galt.
Bei Blähungen, Krämpfen und Verdauungsstörungen war Schnaps oft die erste Wahl. Zudem diente er als Basis für zahlreiche Kräutertinkturen, bei denen Heilpflanzen in Alkohol eingelegt wurden.
Kräuterschnaps – die Heilkraft der Kräuter
Spricht man von Schnaps in der Hausmedizin, nimmt Kräuterschnaps einen besonderen Platz ein. Dabei handelt es sich um Schnaps, der mit Heilkräutern wie Salbei, Rosmarin, Kamille, Johanniskraut und vielen anderen angesetzt wird. Nahezu jede Familie hatte ihr eigenes Rezept.
Kräuterschnaps galt als einer der wertvollsten Schnäpse. Er wurde bei Erkältungen, Verdauungsproblemen, Muskel- und Rückenschmerzen sowie als mildes Beruhigungsmittel verwendet.
Heute wird Kräuterschnaps oft als Aperitif genossen, doch seine Rolle in der traditionellen Hausmedizin ist tief verwurzelt.

Traubenschnaps – zur Desinfektion und Massage
Traubenschnaps ist ein traditioneller Destillat aus Trauben und die Basis vieler weiterer Schnäpse. Aufgrund seines hohen Alkoholgehalts wurde er häufig zur Desinfektion, bei Zahnschmerzen, für Massagen und Umschläge verwendet.
Besonders geschätzt war selbstgemachter Traubenschnaps, während industrielle Varianten oft als „nur gut für Zahnschmerzen“ galten. Echter Haus-Schnaps wurde sparsam getrunken und vielseitig eingesetzt.

Walnusslikör in der Hausmedizin
Walnusslikör galt traditionell als Mittel zur Unterstützung der Verdauung und Stärkung des Körpers. Er wurde in kleinen Mengen nach dem Essen oder vorbeugend im Herbst konsumiert.

Kirschlikör – das süße Hausmittel
Kirschlikör wurde als Dessertlikör geschätzt, aber auch als sanftes Hausmittel. Man glaubte, er hebe die Stimmung, spende Energie und helfe bei Erschöpfung und leichter Schlaflosigkeit.

Mäßigung und Tradition
All diese Anwendungen von Schnaps gehören zu unserem volkstümlichen Erbe. Schnaps ist kein Wundermittel, doch über Generationen hinweg war er ein verlässlicher Begleiter des Alltags. Heute genießen wir ihn aus Genuss – und doch trägt jedes Glas ein Stück Tradition in sich.
Wie unsere Vorfahren sagten: „Zum Wohl – aber mit Maß!“ 🍷
FAQ – Schnaps in der Hausmedizin
Wurde Schnaps früher tatsächlich als Hausmittel verwendet?
besonders in Zeiten, in denen Ärzte und Apotheken schwer erreichbar waren.
Er wurde meist in kleinen Mengen und häufig äußerlich als unterstützendes Hausmittel eingesetzt.
Wofür wurde Schnaps in der Hausmedizin am häufigsten genutzt?
zur Massage bei Muskel- und Gelenkschmerzen,
als Digestif nach schweren Mahlzeiten
sowie zur Desinfektion kleiner Wunden und Insektenstiche.
Wie wurde erwärmter Schnaps zubereitet?
manchmal mit einer Prise Pfeffer, ohne ihn zum Kochen zu bringen.
Er wurde warm, meist abends vor dem Schlafengehen,
und nur in sehr kleinen Mengen getrunken.
Wurden Schnapsumschläge zur Fiebersenkung verwendet?
da Alkohol durch Verdunstung die Haut kühlt.
Heute gelten sie als traditionelle Methode
und sollten mit Vorsicht angewendet werden,
insbesondere bei Kindern oder längerer hoher Temperatur.
Welche äußerlichen Anwendungen hatte Schnaps?
als Umschlag bei Entzündungen
sowie zur Reinigung kleiner Schnittwunden und Insektenstiche verwendet.
Warum wurde Schnaps nach dem Essen getrunken?
Man glaubte, dass er den Magen wärmt,
die Verdauung anregt
und Völlegefühl lindert – vorausgesetzt, er wird maßvoll konsumiert.
Was ist der Unterschied zwischen Traubenschnaps, Kräuterschnaps, Walnusslikör und Kirschlikör?
Kräuterschnaps enthielt Heilkräuter und galt als besonders wirksam bei Verdauungsproblemen und Erkältungen.
Walnusslikör wurde traditionell zur Unterstützung des Magens getrunken.
Kirschlikör galt als milder Digestif und stärkendes Hausmittel.
Wann sollte Schnaps nicht als Hausmittel verwendet werden?
Personen mit Alkoholunverträglichkeit
oder bei schweren und anhaltenden Beschwerden
wie hohem Fieber, starken Schmerzen oder Atemproblemen.
In solchen Fällen ist ärztlicher Rat erforderlich.
und ersetzt keine medizinische Beratung.
